Die Lösung sehen Sie in Trossingen in einer digitalen Transformation. Was sind hier die größten Hindernisse?
Marie-Sophie Maier: Es gibt irrationale Vorbehalte und rationale Hindernisse, ich beginne mal mit den Hindernissen. Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, dass nicht wenige fertigende Unternehmen versäumt haben, ihre Prozesse zu standardisieren und zu dokumentieren. Das ist zwingend notwendig, bevor ich automatisiere. Es reicht also nicht sich eine Multigrind Radical in die Produktionshalle zu stellen und zu erwarten, dass damit bereits die bevorstehende Zukunft Einzug hält. Das ist wie früher mit den Hausaufgaben, die müssen halt gemacht werden. Aber keine Angst, wir zeigen unseren Kunden wie es geht!
Jetzt bin ich gespannt, auf welche irrationalen Vorbehalte sie treffen. Denen zu begegnen ist ja oft schwieriger, weil sie weniger fassbar sind…
Marie-Sophie Maier: ‚Irrationale Vorbehalte‘ klingt erst mal als Bewertung ziemlich hart. Das sind Bedenken, die wir ernst nehmen und für die wir Antworten suchen. Wir sprechen bei der Intelligent Automation 4.0 ja von einem disruptiven Wandel – und der unterscheidet sich von den kontinuierlichen Veränderungen kolossal. Das erfordert einen echten Change! Die Branche denkt gerne in Maschinen, die sich von Generation zu Generation überschaubar weiterentwickeln. Im Werkzeugschleifen unterscheiden wir uns mit unserem Ansatz signifikant von der üblichen ‚Generation-zu -Generation‘-Maschinen-Entwicklung. Bei uns kauft man keine Maschine, sondern einen automatisierten Zukunftsprozess, der alle Komponenten berücksichtigt. Ausgehend vom Webshop des Kunden bis zum Versand. In dieser intelligenten Automatisierung sind bereits zukünftige Entwicklungen berücksichtigt und diese können in aller Regel ohne großen Aufwand aufgespielt werden.
In unserem Lösungspaket sind das Internet der Dinge, die Robotic Process Automation, die intelligenten Vernetzungsmöglichkeiten und der Einzug der künstlichen Intelligenz entweder Bestandteil oder schon vorgedacht. Weil wir schneller entwickeln als die Branche uns momentan folgen kann, ist es unsere vordringlichste Aufgabe alle Beteiligten auf die Reise mitzunehmen. Wir profitieren einerseits von den Anforderungen der Trendsetter, andererseits von den großartigen Innovationen unserer Entwicklungspartner. Die Kundenbeziehung wird so zu einer Partnerschaft der Zukunft.
Dirk Wember: Dieser neue Fertigungsprozess schürt Ängste: Sind meine Daten sicher? Lohnt sich die Investition? Ist KI eine Gefahrenquelle und wo ist der Nutzen? Ist mein Unternehmen bereit für diesen Change-Prozess? Welche Qualifizierung bedeutet die Vernetzung von Mensch und Maschine? Was bedeutet das konkret für den Maschinenbediener? Wird sein Arbeitsplatz in Gefahr sein?
Und wie begegnen Sie diesen Fragen?
Dirk Wember: Wir sprechen als Erstes über die Chancen, daraus ergibt sich ein gemeinsamer Fahrplan für den Change. Wir sind mittendrin in dieser neuen Welt der Vernetzung von Menschen, Maschinen und Produkten. Es wird nicht mehr lange dauern, dann können wir uns mit unserer Werkzeugschleifmaschine unterhalten, wie mit einem persönlichen Assistenten, der ganz einfach ausführt, was wir ihm angetragen haben. Wir zeigen unseren Kunden, dass die Intelligent Automation 4.0 seinen gesamten Prozess in jeder einzelnen Stufe verbessert und vereinfacht. Die Arbeitskosten werden gesenkt, der Durchsatz erhöht, die Zuverlässigkeit steigt und die Qualität wird verbessert. Nicht nur ein bisschen, sondern erheblich. Und wenn wir anhand einfacher Rechenbeispiele verdeutlichen, wie schnell sich die Investition lohnt, sind viele Bedenken meist ausgeräumt. Die Welt ändert sich, ob es uns gefällt oder nicht. Entweder ich bin die Veränderung oder ich bleibe zurück.











