Monitoring neu gedacht

Bild 1 | Thomas Hilbig erläutert am SPS-Messeexponat die Möglichkeiten des Netzanalysators UMG 800.
Bild 1 | Thomas Hilbig erläutert am SPS-Messeexponat die Möglichkeiten des Netzanalysators UMG 800. Bild: TeDo Verlag GmbH

Für welche Branchen ist Energiemonitoring von besonders großer Bedeutung und welche Trends zeichnen sich hier ab?

Hilbig: Energiemonitoring ist heute in nahezu allen Branchen relevant, in denen elektrische Energie ein kritischer Faktor für Produktion oder Verfügbarkeit ist. Dazu zählen insbesondere die Fertigungsindustrie, Rechenzentren, Gebäude und Infrastrukturanwendungen sowie Energieversorger. In all diesen Bereichen geht es darum, Transparenz zu schaffen. Nicht nur über Verbräuche, sondern auch über den Zustand und die Belastung der elektrischen Netze. Unsere neueste Technologie zur kontaktlosen Spannungsmessung ist vor allem in Rechenzentren von großer Bedeutung. Dort müssen sehr viele Abgänge überwacht werden, häufig unter beengten Platzverhältnissen und bei laufendem Betrieb. Klassische Verdrahtungskonzepte sind hier mit hohem Aufwand verbunden. Kontaktlose Messverfahren reduzieren diesen Aufwand deutlich und ermöglichen eine skalierbare und sichere Überwachung, was gerade in hochdynamischen Umgebungen ein entscheidender Vorteil ist.

Ist bei den genannten Branchen der Leidensdruck bereits hoch genug, dass ein solches Monitoring als wichtig erachtet wird?

Hilbig: Ja, eindeutig. Zum einen stehen die stark gestiegenen Energiekosten im Fokus, wodurch Einsparpotenziale eine deutlich größere wirtschaftliche Bedeutung haben. Zum anderen gibt es klare regulatorische Anforderungen, etwa durch die ISO 50001, die den Einsatz eines strukturierten Energiemanagementsystems fordert.
Darüber hinaus sehen wir sowohl in Deutschland als auch international, dass Energiemonitoring zunehmend als strategisches Instrument verstanden wird. Unternehmen wollen ihre Energieflüsse nicht nur erfassen, sondern bewerten und gezielt steuern. Dafür sind verlässliche Messdaten die Grundlage.

Bild 2 | Mithilfe der GridVis-Visualisierungssoftware erhalten Anwender ein Tool, Energiedaten einzulesen und verständlich darzustellen.
Bild 2 | Mithilfe der GridVis-Visualisierungssoftware erhalten Anwender ein Tool, Energiedaten einzulesen und verständlich darzustellen.Bild: Janitza Electronics GmbH

Die Nachfrage Ihrer Lösungen in den USA ist sehr hoch, obwohl Energie dort ja nicht ganz so kostspielig ist wie hierzulande.

Hilbig: Das stimmt. Allerdings steht in den USA ein anderer Aspekt stärker im Vordergrund. Bei Janitza betrachten wir Energiemonitoring aus zwei Perspektiven. Die eine ist die klassische Verbrauchs- und Kostensicht. Die andere ist die Sicherstellung der Anlagenverfügbarkeit. Gerade in Rechenzentren ist nicht entscheidend, wie teuer Energie ist, sondern wie zuverlässig sie zur Verfügung steht. Betreiber müssen sehr hohe Verfügbarkeiten gewährleisten. Energiemonitoring schafft hier die notwendige Transparenz, um kritische Zustände frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern, bevor es zu Ausfällen kommt.

Welche Parameter gilt es im Rahmen eines effizienten Energiemanagements und Energiemonitorings zu erfassen?

Hilbig: Die Grundlage bilden immer Strom und Spannung. Aus diesen Größen lassen sich die wesentlichen Energie- und Leistungskennzahlen ableiten. Darüber hinaus gewinnt die Spannungsqualität zunehmend an Bedeutung. Dazu gehören Über- und Unterspannungen, Spannungsausfälle, transiente Ereignisse sowie kurzzeitige Einbrüche, die empfindliche Verbraucher beeinträchtigen oder beschädigen können.
In Rechenzentren kommt zusätzlich die Differenzstrommessung hinzu. Da dort in der Regel nicht abgeschaltet werden darf, ist eine kontinuierliche Überwachung erforderlich, um Brandrisiken frühzeitig zu erkennen und die Betriebssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.

Welche Hardware Lösungen hat Janitza dafür im Portfolio?

Hilbig: Unser Portfolio ist bewusst modular aufgebaut. Für Anwendungen mit vielen Messstellen und dem Fokus auf Energieverbräuche bieten wir beispielsweise das modulare Energiemesssystem UMG 800. Damit lassen sich zahlreiche Abgänge effizient erfassen.
Darauf aufbauend decken Geräte wie das UMG 801 weitergehende Anforderungen ab, etwa im Bereich der Spannungsqualität oder der Differenzstrommessung. Entscheidend ist, dass unsere Hardware flexibel einsetzbar ist und eine belastbare Grundlage für weiterführende Analysen bildet.

Wie stellt Janitza sicher, dass auch vergleichsweise unerfahrene Anwender die richtigen Schlüsse aus den Daten ziehen und in entsprechende Aktionen überführen?

Hilbig: Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Datenerfassung und tatsächlichem Nutzen. Mit unserer Netzvisualisierungssoftware GridVis sorgen wir dafür, dass Messdaten nicht nur gesammelt, sondern verständlich aufbereitet und ausgewertet werden. Viele Anwender sind keine Energieexperten, erwarten aber dennoch klare Aussagen über den Zustand ihrer Anlagen. Darüber hinaus gehen wir mit unseren Project Solutions einen Schritt weiter. Gemeinsam mit dem Kunden klären wir, welche Daten wirklich relevant sind. Auf dieser Basis realisieren wir ganzheitliche Lösungen, von der Planung über die Inbetriebnahme bis hin zur Schulung und zum laufenden Betrieb.

Der Energieanalysator UMG 96-EL eignet sich für den Fronttafeleinbau.
Der Energieanalysator UMG 96-EL eignet sich für den Fronttafeleinbau.Bild: Janitza Electronics GmbH

Haben mit dem Ausbau der regenerativen Energien Phänomene wie Flicker, Überströme oder Oberschwingungen und damit potenzielle Störungen zugenommen?

Hilbig: Ja, die klassischen Netze gehören zunehmend der Vergangenheit an. Der Ausbau regenerativer Energien ist ein Faktor, aber nicht der einzige. Auch moderne Verbraucher und veränderte Netzstrukturen stellen neue Anforderungen an die Netzqualität. Insbesondere Themen wie elektromagnetische Verträglichkeit und Störsicherheit gewinnen deutlich an Bedeutung. Das gilt sowohl für die Erzeuger als auch für die Verbraucherseite. Diese Entwicklungen machen eine kontinuierliche Überwachung der Netzqualität unverzichtbar.

In welche Richtung werden sich Energiemanagement und Energiemonitoring weiterentwickeln?

Hilbig: Wir sind überzeugt, dass Software und ganzheitliche Lösungsansätze die zentralen Treiber der kommenden Jahre sein werden. Hochwertige Hardware bleibt die notwendige Basis, reicht allein jedoch nicht aus, um komplexe Anlagen effizient zu betreiben.

Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die intelligente Auswertung der Messdaten. Anwender sollten sich nicht mühsam in komplexe Zusammenhänge einarbeiten müssen. Stattdessen sollten Systeme automatisch die relevanten Informationen liefern und konkrete Handlungsempfehlungen ermöglichen. Energiemonitoring entwickelt sich damit zunehmend zu einem Werkzeug für fundierte Entscheidungen.

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