Schlüssel zur Digitalisierung von Engineering und Fertigung

Bild 1 | Der digitale Zwilling ist die digitale Darstellung eines physischen Produktes. Das Beispiel zeigt rechts die digitale Entsprechung der links abgebildeten Reihenklemmen auf der Hutschiene im Wago Konfigurator Smart Designer.
Bild 1 | Der digitale Zwilling ist die digitale Darstellung eines physischen Produktes. Das Beispiel zeigt rechts die digitale Entsprechung der links abgebildeten Reihenklemmen auf der Hutschiene im Wago Konfigurator Smart Designer. – Bild: WAGO GmbH & Co. KG

Herr Rasser, was ist ein digitaler Zwilling eigentlich genau?

Sven Rasser: Bei einem digitalen Zwilling handelt es sich um die digitale Darstellung eines physischen Produktes. Ein digitaler Zwilling kann alle Informationen erhalten, die dieser benötigt, um vollständig beschrieben zu werden, d. h. CAD-Daten, Produktdaten, Simulationen etc. Dies dient dazu, das Produkt für alle Anwendungszwecke optimal digital abzubilden – und dem Anwender so einen möglichst passenden Informationsgehalt zu liefern. Konkret umfasst dies in jedem Prozessschritt unterschiedliche Informationen: im Einkauf beispielsweise BMEcat mit der Beschreibung der Verpackungseinheiten sowie den Preisen des Produkts. Im Engineering benötigt der Ingenieur hingegen CAD- und CAE-Daten sowie technische Informationen wie elektrische Eigenschaften, Hinweise zum Material etc. Im Manufacturing und in der Maintenance sind es wiederum Handhabungshinweise, Pflegebeschreibungen usw. und im Recycling werden Informationen über die Materialzusammensetzung und Demontage benötigt, sodass die Einzelteile der Produkte möglichst sortenrein wiederverwendet werden können.

Bild 3 | Ein wichtiger Standard ist die 'Asset Administration Shell' (AAS) - zu Deutsch Verwaltungsschale. Dabei handelt es sich um ein Konstrukt, 
wie digitale Zwillinge mensch- und maschinenlesbar bereitgestellt und über den Produktlebenszyklus ergänzt werden können.
Bild 3 | Ein wichtiger Standard ist die 'Asset Administration Shell' (AAS) – zu Deutsch Verwaltungsschale. Dabei handelt es sich um ein Konstrukt, wie digitale Zwillinge mensch- und maschinenlesbar bereitgestellt und über den Produktlebenszyklus ergänzt werden können. – Bild: WAGO GmbH & Co. KG

Welche Vorteile bieten digitale Zwillinge? Warum sollte man sich als Schaltschrankbauer damit beschäftigen?

Rasser: Die Vorteile der digitalen Zwillinge liegen vor allem darin, dass sie bereits vor dem Bau eines Schaltschranks geplant und auf Richtigkeit überprüft werden können. Etwaige Fehler können somit frühzeitig aufgedeckt und behoben werden. Dadurch wird die Projektplanung und -umsetzung insgesamt schneller und wirtschaftlicher. Zukünftig werden wir mehr Anwendungen erleben, für die digitale Zwillinge die Grundlage bilden. Dies wird unter anderem deshalb notwendig, weil Deutschland ein Hochlohnland ist und zudem zu wenige Fachkräfte zur Verfügung stehen. Mögliche Lösungen können darin bestehen, durch Werkerassistenzsysteme auch ungelerntes Personal in der Fertigung einzusetzen bzw. durch Roboter die Fertigung teilweise zu automatisieren. Beide Lösungen bedürfen jedoch Produktinformationen – also digitalen Zwillingen. Wir von Wago stellen diese Informationen bereit bzw. unterstützen die Kunden dabei, die passenden digitalen Zwillinge für ihr Engineering und ihre Fertigung zu finden, um sie so bei der digitalen Prozesskette zu unterstützen – und ihnen den Einsatz von ungelerntem Personal zu ermöglichen. Ein konkretes Beispiel: Ein Kunde von mir hat seine Fertigung bereits so weit mit digitalen Zwillingen digitalisiert, dass er zu einem Großteil ungelernte Arbeitskräfte bzw. Hilfskräfte in der Fertigung beschäftigen kann. Dies verschafft ihm den großen Vorteil, dass ihm genügend Arbeitskräfte für seine Fertigung zur Verfügung stehen. Außerdem erwarten wir, dass zukünftig gesetzliche Anforderungen den Einsatz von digitalen Zwillingen notwendig machen werden.

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Bild: WAGO GmbH & Co. KG

Welche betrieblichen Voraussetzungen müssen für die Realisierung von digitalen Zwillingen erfüllt sein? Welche Herausforderungen gibt es eventuell dabei?

Rasser: Die wichtigste Voraussetzung ist die eigene Motivation des Unternehmens. Möchte ich digitale Zwillinge einsetzen, weil es alle tun? Oder setze ich digitale Zwillinge ein, weil ich die Vorteile kenne und eine Vision verfolge? Bei Digitalisierungsprojekten ist es besonders wichtig, eine langfristige Vision aufzubauen und diese dann auch weiterzuverfolgen.

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