Schlüssel zur Digitalisierung von Engineering und Fertigung

Gibt es einen Datenstandard bzw. akzeptierte normative Grundlagen für digitale Zwillinge in Europa?

Rasser: Im europäischen Raum gibt es einige Initiativen, mit denen digitale Zwillinge standardisiert werden bzw. ein Quasistandard realisiert wird. Als Beispiel ist hier ECLASS zu nennen, was wir bei Wago bereits seit vielen Jahren nutzen. Ein aus meiner Sicht wichtiger Standard, der sich gerade aber erst etabliert, ist die ‚Asset Administration Shell‘ (AAS) – zu Deutsch Verwaltungsschale. Dabei handelt es sich um ein Konstrukt, wie digitale Zwillinge mensch- und maschinenlesbar bereitgestellt und über den Produktlebenszyklus ergänzt werden können.

Bild 2: Sven Rasser: "Wir möchten - mithilfe der digitalen Zwillinge - gemeinsam mit unseren Kunden deren Marktvorteile sichern und sie bei der weiteren Digitalisierung des Engineerings und der Fertigung unterstützen."
Bild 2: Sven Rasser: "Wir möchten – mithilfe der digitalen Zwillinge – gemeinsam mit unseren Kunden deren Marktvorteile sichern und sie bei der weiteren Digitalisierung des Engineerings und der Fertigung unterstützen." – Bild: WAGO GmbH & Co. KG

Welche digitalen Zwillinge bietet Wago seinen Kunden? Seit wann?

Rasser: Die ersten digitalen Zwillinge haben wir bei Wago bereits in den 1990er-Jahren bereitgestellt – in Form von CAD-Daten. Die Bedeutung von digitalen Zwillingen hat jedoch erst in den letzten Jahren massiv zugenommen, sodass wir unser Portfolio erheblich erweitert haben. Heute bieten wir neben CAD- und CAE-Daten, Produktdaten und Datenformaten wie BMEcat auch Softwarelösungen, mit denen digitale Zwillinge auf einfache Art und Weise weiterverarbeitet werden können. Dazu gehören zum Beispiel passende Schnittstellen oder unser Wago Konfigurator Smart Designer.

Warum wird diesem Thema bei Wago so eine große Bedeutung beigemessen?

Rasser: Im Schaltschrankbau sehen wir nach wie vor einen hohen Bedarf an Digitalisierung und damit einhergehend auch digitalen Zwillingen. Deshalb möchten wir – mithilfe der digitalen Zwillinge – gemeinsam mit unseren Kunden deren Marktvorteile sichern und sie bei der weiteren Digitalisierung des Engineerings und der Fertigung unterstützen. Anhand unserer Projekte, Kundengespräche, Downloadzahlen und Erfahrungen sehen wir, dass der Bedarf an digitalen Zwillingen zukünftig noch weiter steigen wird. Zudem erwarten wir gesetzliche Vorgaben, die schon in wenigen Jahren den Einsatz digitaler Zwillinge unumgänglich machen werden – weshalb sich spätestens dann jeder Schaltschrankbauer auch mit diesem Thema beschäftigen sollte.

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