Herr Lehn, aus Ihrer Erfahrung: Wieviele Schaltschrankbauer haben ihre Kabelkonfektionierung bereits automatisiert, und welche Ausprägungen gibt es dabei?
Eine genaue Zahl zu sagen, ist sehr schwierig. Ich gehe davon aus, dass es keine 20% in der DACH-Region sind. In der Schweiz gibt es den Schaltschrankbau-Verband VSAS (Schaltanlagenbauer), wo die meisten Schaltschrankbauer als Aktivmitglied teilnehmen und die Zukunft der Branche mitgestalten. Mit einem Blick in die Mitgliederliste stelle ich fest, dass weniger als 10% ihre Drähte automatisiert konfektionieren. Die Drahtlänge ist ein wichtiger Fertigungsparameter, der erst beim Verlegen bekannt wird. Das Ermitteln der Drahtlänge war bis vor kurzem nur mit einem zeitraubenden Prozess möglich und bei Wiederhol-Projekten lohnte sich die Vorfertigung der Drähte. Die heutigen führenden E-CAD-Lösungen am Markt bieten die Funktion Schaltschrank-Routen an und somit erhält die Produktion die Drahtlänge vor dem Verdrahten. Investitionen in die Automatisierung war und ist immer auch noch eine Frage der Betriebsgröße. Der Investitionsaufwand in E-CAD Systeme und die automatisierte Drahtkonfektion stellen für viele Unternehmungen eine Herausforderung dar. Schaltschrankbauer, die bereits Erfahrungen gemacht haben mit einem Fräsbearbeitungscenter, erkennen das Potential dieser Effizienzsteigerung und sind offener gegenüber der automatisierten Drahtkonfektion, wodurch die Verdrahtungszeit bis 80% reduziert werden kann. Die Unternehmensgröße spielt heute eine untergeordnete Rolle, um die Drähte automatisiert zu konfektionieren. Es gibt mittlerweile verschiedene Angebote und Lösungsansätze, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Kunden berichteten mir, dass sie das Geschäftsmodell anpassten, um mit dem Produktionsprogramm die Breite des Materialsortiment auf die Automatisierung optimal auszurichten.
Mit Blick auf die in den Design Guidelines getroffenen Empfehlungen: Welche hauptsächlichen Fehler werden bei der automatisierten Kabelbaumerstellung begangen?
Von Fehlern kann man nicht sprechen, eher von Hürden, die vorhanden sind. Weil sie sehr gut funktionierten beim manuellen Drahtkonfektionsprozess und mit der Automatisierung die Zulieferung des Materials und der Daten in den Fertigungsprozess schneller sein muss. Die Investition in die Automatisierung der Schaltschrankverdrahtung ist auch ein Change-Management-Prozess im Unternehmen, dabei sollte die Unternehmungsführung auch die Mitarbeiter mit einbeziehen und sie auf den künftigen Prozess vorbereiten. Mit begeistertem Personal lässt sich die Automatisierung einfacher und erfolgreich umsetzen.
Wenn ich mich als Schaltschrankbauer zu einer automatisierten Kabelkonfektionierung entschließe: Bietet Komax hier entsprechende Beratungsleistungen, wie ich einen solchen Prozess in meinem Betrieb aufsetze?
Ich nenne diesen Prozess als einen Beschaffungsprozess, der sich in 3 Phasen unterteilt werden kann – Lernphase, Definitionsphase und Inbetriebnahmephase. Meine Kollegen aus dem Vertrieb beraten in einer ersten Phase den Schaltschrankbauer und analysieren den aktuellen Verdrahtungsprozess und das aktuelle Fertigungsprogramm bezüglich Materials, Prozess und Informationen. Aufgrund dieses Ergebnisses wird eine erste Lösungskonfiguration erarbeitet mit einem Preisschild. Nach einigen Feinabstimmung und mit einer ROI-Betrachtung wird die Definitionsphase abgeschlossen. Je nach Bedürfnis werden verschiedene Dienstleistungen angeboten, um die Inbetriebnahme erfolgreich durchzuführen. Unterhalts- und Unterstützungsdienstleistungen werden von den Vertriebskollegen vorgeschlagen, um eine hohe Verfügbarkeit der Investition zu gewährleisten. Auf Ihre Frage zurückkommend: Die Beratungsdienstleistungen sind im Verkaufsprozess beinhaltet.











