
Das Bundeswirtschaftsministerium lässt aktuell ein Monitoring zur Energiewende erstellen. Bei dieser Bestandsaufnahme ist auch der Stand der Versorgungssicherheit ein zentrales Thema – ein Bereich, in dem Deutschland weltweit führend ist. Mit der Transformation des Energiesystems müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Versorgungssicherheit langfristig auf Spitzenniveau zu halten. Insbesondere braucht es mehr gesicherte Leistung in der Stromerzeugung und eine nachhaltig gesicherte und diversifizierte Versorgung mit Gas. „Es ist richtig, dass das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Monitoring zum Stand der Energiewende auch die Versorgungssicherheit als eine Grundlage seiner weiteren Arbeit überprüft“, erklärt Kerstin Andreae (Bild), die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Die Zuverlässigkeit der Versorgung in Deutschland ist im weltweiten Vergleich sehr hoch: Während im Jahr 2023 im Durchschnitt rund 13 Minuten der Strom ausfiel, waren es beispielsweise in den USA im Schnitt 367 Minuten. Auch bei einem steigenden Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien konnte das hohe Niveau in Deutschland in den letzten Jahren sogar noch gesteigert werden. Dies zeigt, dass die Leistungen der Netzbetreiber bei den Investitionen in Infrastruktur und Netzmodernisierung Früchte tragen: Ein Standortvorteil für Deutschland.“ Eine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit aufgrund strukturell fehlender Stromerzeugungskapazitäten spielte in Deutschland bislang keine Rolle. Damit das auch in Zukunft so bleibt, bräuchte das Land vor allem schnell mehr steuerbare, gesicherte Leistung, etwa aus neuen (H2-ready-)Kraftwerken und Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung sowie für begrenzte Zeiträume von Stunden bis einige Tage Pumpspeicherwerke und Batteriespeicher. Gleichzeitig müssten wir die Einbindung von Flexibilitäten systemisch und verstärkt angehen, so Andrae.
„Bis 2038 gehen geplant stetig steuerbare Stromerzeugungskapazitäten aus dem Markt, insbesondere Kohle- und alte Gaskraftwerke. Für ein funktionierendes Energiesystem brauchen wir daher neue steuerbare, gesicherte Leistung, um die Residuallast zu decken. Das sind etwa H2-ready-Gaskraftwerke, die vollständig auf den Betrieb mit Wasserstoff umstellbar sind. Damit der Kohleausstieg, wie geplant, weitergehen kann, müssen Gas-Kraftwerke schnell gebaut werden. Daher braucht es jetzt das Schnell-Boot: die Umsetzung des Kraftwerkssicherheitsgesetzes (KWSG). Die entsprechenden Ausschreibungen für wasserstofffähige Gaskraftwerke und Gaskraftwerke müssen spätestens bis Anfang 2026 erfolgen, damit die Anlagen rechtzeitig zur Verfügung stehen. Dazu sind eigentlich nur wenige, aber wichtige Anpassungen am bisherigen KWSG-Entwurf notwendig, um Investitionen rechtssicher auszulösen“, betont Kerstin Andreae. „Um es nochmal auf den Punkt zu bringen, die Akzeptanz der Energiewende würde leiden, wenn die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet wird.“





